Oberroning ‚handelt fair‘ - Die Realschule bekommt den Titel ‚Fairtrade-School‘

Kurz vor der bayernweiten Schließung der Schulen aufgrund der Corona-Krise erhält die Realschule Oberroning den Titel ‚Fair Trade-School‘…

Die Kampagne Fairtrade-Schools bietet Schulen die Möglichkeit, sich aktiv für eine bessere Welt einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Das Thema fairer Handel wird im Schulalltag verankert und schafft bei den Schülerinnen und Schülern das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung. An der Realschule Oberroning gibt es dank der Lehrkraft Frau Angelika Riepl schon einige Jahre einmal in der Woche und bei Veranstaltungen den Fairtrade Verkauf. Hier bieten Schülerinnen und Schülern mit Hilfe einiger Lehrkräfte (Einkauf und Verwaltung der Produkte) der Schulfamilie süße und salzige Snacks aus fairem Handel an. Somit werden bereits zwei Kriterien erfüllt, die es braucht, um Fairtrade School zu werden: es gibt ein Fairtrade Team bestehend aus Lehrern, Schülern und Vertretern der Eltern und es findet ein Verkauf von Produkten aus fairem Handel statt.

2018 machte sich Frau Riepl gemeinsam mit der damaligen Fairtrade Gruppe auf den Weg, das Siegel zu erhalten und bewarb sich bei der Kampagne. Nun mussten noch die drei weiteren Kriterien erfüllt werden. Es wurde ein so genannter Kompass erstellt. Dies ist der Plan für die Aktionen und Projekte, die die Realschule im Bezug auf die Kampagne Fairtrade-School verwirklichen will. Sämtliche Punkte mussten von der Schulleitung genehmigt werden. Was diese natürlich vorbehaltlos und sehr bereitwillig tat. Sie ist es ja auch, die sehr gerne und häufig die Produkte für den Fairtrade Verkauf an der Schule im Handelszentrum Langquaid besorgt. Das vierte Kriterium ‚Fairer Handel im Unterricht’ war und ist ebenfalls schon fester Bestandteil der Realschule Oberroning. Dies sogar fächerübergreifend z. B. in Deutsch, Erdkunde, Biologie, etc.: jedes Jahr findet in der 8. Jahrgangsstufe eine Exkursion in das Fairtrade Handelszentrum nach Langquaid statt. Die Achtklässler haben dort stets die Möglichkeit, alles zu besichtigen und einen informativen Vortrag über den fairen Handel zu genießen. Außerdem wurde in diesem Schuljahr das Thema Nachhaltigkeit in den fünften Klassen zusammen mit ihren beiden Klassenleitungen Frau Eva-Maria Schneider und Michaela Reimann behandelt. Sie erstellten eine Ausstellung zu Projekten mit den Fragen: ‚Wie kann das Klassenzimmer plastikfrei und nachhaltig gehalten werden?‘ ,Wie kann ich Plastik in der Pause vermeiden? Wie kann ich Plastik zu Hause vermeiden? Wieso ist es für die Umwelt so wichtig, auf Plastik zu verzichten?’ und noch viele mehr. Die Klasse 5c fragte sogar bei einem Produkthersteller nach, ob bei der Verpackung einer seiner Produkte, nicht auf Plastik verzichtet werden und nachhaltige Materialien verwendet werden könnten. Sie bekam prompt einen positiven Antwortbrief, in dem darauf hingewiesen wurde, dass die Firma daran arbeite.

Da Frau Riepl sich derzeit in Elternzeit befindet, übernahm Frau Elena Just im Jahr der Verleihung (2020) die Verwirklichung der restlichen Punkte des Kompass. So initiierte sie zusammen mit Frau Maria Pixa kurz vor dem Aktions- und Festtag zur Verleihung des Siegels einen Kleidertausch unter den Schülerinnen und Schülern. Die Kinder hatten die Möglichkeit, Kleidungsstücke, die sie nicht mehr tragen, gegen Werttaler zu verkaufen (pro Stück ein Taler). Diesen Taler konnte sie am Tag der Verleihung wieder gegen Kleidung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler tauschen oder auch verschenken. Die Kleider, die an die an diesem Tag nicht an den Mann bzw. an das Mädchen oder den Jungen gebracht wurden, bekam das ‚Thomas Wiser Haus‘ in Regenstauf als Spende. (Das Haus ist eine fachlich anerkannte Einrichtung für Heilpädagogik und Therapie. Sie bietet Hilfen für Kinder und Jugendliche an). Diese Aktion wurde sehr gut angenommen und war Teil der feierlichen Veranstaltung zur Verleihung des Siegels ‚Fairtrade-School‘. Des Weiteren konnten die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrerinnen und Lehrer an diesem Tag ihren ökologischen Fußabdruck berechnen, sie konnten sich den Film ‚Wie fair ist fairer Handel?‘ ansehen und hierbei die Interessantes über den fairen Handel erfahren. Es gab eine Ausstellung zu den Projekten der fünften Jahrgangsstufe. Als Verpflegung wurden neben den Produkten des Fairtrade Verkaufs auch Gemüsesticks mit selbst gemachten Frischkäse von Frau Edith Herde und der Nachmittagsbetreuerin Frau Andrea Röhrl angeboten. Diese verkauften auch Wachstücher als nachhaltige Alternative zur umweltschädlichen Alufolie. Der Elternbeirat sorgte mit warmen Leberkässemmeln für das leibliche Wohl. Durch die genannten Aktionen wurde auch das fünfte Kriterium ‚Schulaktionen’ für eine Fairtrade-School erfüllt. Der Kleidertausch z. B. wurde -wie bereits erwähnt- sehr gut angenommen und soll ein fester Bestandteil an der Realschule Oberroning werden und regelmäßig durchgeführt werden.

Nachdem die gesamte Schulfamilie an allen Aktionen teilgenommen hatte, sich ausgiebig informieren und stärken konnte, kam es endlich zur feierlichen Verleihung des heiß ersehnten Siegels ‚Fairtrade-School‘. Hierzu reisten eigens Frau Kirstin Wolf von Fairtrade Deutschland und Frau Sabine Leistner vom Weltladen ‚una terra‘ in Regensburg an. Frau Wolf betonte, dass sie begeistert sei, wie viele Aktionen zum Thema fairen Handel es an der Schule bereits gibt und dass sie sicher sei, dass auch nach der Verleihung noch lange nicht Schluss sei und sie keine Bedenken habe, dass bei der Überprüfung der Einhaltung der fünf Kriterien in zwei Jahren die Titelerneuerung stattfinden werde. Frau Leistner hielt einen umfassenden und interessanten Vortrag zum Thema Fairtrade. Sie zeigte auf, wie wichtig der faire Handel, für die gerechte Bezahlung der Arbeiter und Bauern, für langfristige Handelsbeziehungen, für die Beratung bei Produktion und Vermarktung, für die Vorfinanzierung und Transparenz der Handelsbeziehungen, für das Dikrimierungsverbot und für den Ausschluss von ausbeuterischer Kinderarbeit ist. Sie erklärte außerdem, woran man fair gehandelte Produkte erkennt und wo man sie finden kann. Am Ende der Veranstaltung dankte die Schulleitung Frau Annamaria Müller allen Beteiligten für das Engagement, das es möglich machte, dass die Realschule an diesem Tag den Titel Fairtrade School entgegen nehmen durfte. Sie versprach, das Fairtrade Team weiterhin tatkräftig zu unterstützen und auch sie betonte ihre Zuversicht für die Titelerneuerung in zwei Jahren.

Tanja Tajsich