Freiwilliger Theaterbesuch der Klasse 9b: Erinnerung lebendig halten
Am Freitagabend im Juni besuchte eine Gruppe interessierter Schülerinnen der Klasse 9b gemeinsam mit den Lehrkräften Michaela Reimann und Maria Reichl eine besondere Veranstaltung im Staatstheater Regensburg. Auf dem Programm stand die musikalische Lesung „Ich wand’re durch Theresienstadt …“, gestaltet vom Schauspieler Roman Knižka und dem Bläserquintett OPUS 45.
Die Aufführung widmete sich dem Schicksal der Menschen im Ghetto Theresienstadt, das von den Nationalsozialisten als Sammel- und Durchgangslager für jüdische Menschen genutzt wurde. Rund 150.000 Menschen wurden zwischen 1941 und 1945 nach Theresienstadt deportiert. Hunger, Krankheit und unmenschliche Lebensbedingungen bestimmten den Alltag. Besonders erschütternd ist die Tatsache, dass von den fast 15.000 Kindern, die dort inhaftiert waren, nur wenige Hundert überlebten. Gleichzeitig entwickelte sich unter den Gefangenen ein bemerkenswertes kulturelles Leben mit Musik, Theater, Literatur und Kunst, das vielen Menschen Hoffnung und Halt gab.
In der Lesung verband Roman Knižka eindrucksvoll Erinnerungen, Tagebuchtexte und Gedichte ehemaliger Häftlinge mit der Musik von Komponisten wie Pavel Haas, Hans Krása, Viktor Ullmann und Gideon Klein, die selbst in Theresienstadt inhaftiert waren und später von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Musiker von OPUS 45 verliehen diesen Werken eine besondere Ausdruckskraft und machten die Atmosphäre der damaligen Zeit für das Publikum spürbar.
Ein Höhepunkt des Abends war das anschließende Gespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Ernst Grube. Der 1932 in München geborene Zeitzeuge wurde als Kind aufgrund seiner jüdischen Herkunft verfolgt und 1945 nach Theresienstadt deportiert. Im Nachgespräch berichtete er den Zuhörerinnen und Zuhörern von seinen persönlichen Erfahrungen während der NS-Zeit, von Ausgrenzung, Angst und dem Leben im Lager. Zugleich sprach er über die Bedeutung von Erinnerung, Demokratie und Menschlichkeit in der heutigen Zeit. Seine bewegenden Schilderungen machten Geschichte greifbar und hinterließen bei den Jugendlichen einen tiefen Eindruck.
Der Theaterbesuch war für die Schülerinnen und Schüler weit mehr als ein kulturelles Erlebnis. Er bot die Gelegenheit, sich intensiv mit einem wichtigen Kapitel deutscher Geschichte auseinanderzusetzen und einem Zeitzeugen zu begegnen, dessen Lebensgeschichte eindrucksvoll zeigt, warum Erinnerung und Verantwortung auch heute unverzichtbar sind.
Michaela Reimann