Ein wichtiger Besuch gegen das Vergessen

Einen ganz besonderen und bewegenden Besuch durften die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen der Realschule Oberroning erleben. Auf Einladung von Frau Reimann war Herr Fritz Wallner zu Gast, um über das Thema Euthanasie während der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Dabei berichtete er eindrucksvoll und persönlich über das Schicksal seiner Vorfahrin Theres Wallner, die Opfer der menschenverachtenden „T4-Aktion“ der Nationalsozialisten wurde.

Theres Wallner wurde 1891 in Schierling geboren. Aufgrund einer geistigen Behinderung lebte sie in der Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll in Regensburg. Während der NS-Diktatur galt sie als sogenanntes „unwertes Leben“. Im November 1940 wurde sie in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz deportiert und dort ermordet. Ihr Schicksal steht stellvertretend für Tausende Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen wurden.

Besonders eindrucksvoll schilderte Herr Wallner die persönlichen Nachforschungen zu seiner Verwandten und machte deutlich, dass hinter jeder Zahl ein menschliches Schicksal steht. Die Schülerinnen und Schüler hörten aufmerksam zu und waren tief betroffen von den grausamen Verbrechen der damaligen Zeit. Dabei wurde klar: Geschichte ist nicht fern oder anonym – sie beginnt direkt vor unserer Haustür. Das Schicksal von Theres Wallner ist ein Stück Heimatgeschichte, das auch heute noch mahnt und bewegt.

In Schierling erinnert heute ein Stolperstein vor dem Rathaus an Theres Wallner. Dieser Stolperstein war der erste im Landkreis Regensburg und zugleich der erste Stolperstein für ein Opfer der NS-Euthanasie. Er soll daran erinnern, dass Menschen ausgegrenzt, entrechtet und schließlich ermordet wurden, nur weil sie krank oder beeinträchtigt waren.

Herr Wallner machte in seinem Vortrag deutlich, wie wichtig Erinnerung und Gedenken sind. Gerade junge Menschen müssten wachsam bleiben und sich für Menschlichkeit, Respekt und Demokratie einsetzen. Hass, Ausgrenzung und Menschenverachtung dürften niemals wieder Platz in unserer Gesellschaft finden. Die Botschaft seines Besuchs war daher nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein klarer Auftrag für die Gegenwart und Zukunft: Demokratie schützen, Verantwortung übernehmen und niemals vergessen.

Der Besuch von Herrn Wallner war deshalb weit mehr als ein Geschichtsvortrag. Er war eine eindringliche Mahnung, ein bewegendes Gedenken und eine wertvolle Begegnung mit einem wichtigen Kapitel unserer Heimatgeschichte.

Die Schulgemeinschaft der Realschule Oberroning bedankt sich herzlich bei Herrn Fritz Wallner für seinen mutigen, persönlichen und beeindruckenden Vortrag.

Michaela Reimann