Besuch der MdL Ruth Müller an der Realschule Oberroning - 100 Jahre Frauenwahlrecht

Im Rahmen der „Europatage“ an Schulen besuchte die MdL Ruth Müller unter anderem die Realschule Oberroning. Dort beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit Frauenrechten, dem 100. Jubiläumsjahr des Frauenwahlrechts und den Chancen und Möglichkeiten in einem freien Europa. Die Schulleiterin Anna-Maria Müller begrüßte die SPD-Politikerin Ruth Müller  -die sie übrigens schon 17 Jahre persönlich kennt- herzlich und betonte, dass es ihr wichtig war, eine authentische Vertretung der "Frauenpower" einzuladen.

Nach den Grußworten erzählte die Sprecherin der bayerischen SPD-Landtagsfraktion den gespannt lauschenden Schülerinnen und Schülern in der Turnhalle der Realschule, dass es der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ 1949 endlich ins Grundgesetz geschafft hatte. Verantwortlich hierfür war die SPD-Politikerin Elisabeth Selbert.  Die MdL Müller informierte über geschichtliche Meilensteine, die seitdem zu immer mehr Gleichberechtigung geführt hatten. Die Mädchen und Jungen waren mehr als verblüfft als sie hörten, dass z. B. ein Ehemann vor 1958 das Recht hatte, das Arbeitsverhältnis seiner Frau zu kündigen oder dass bis dahin eine Frau das Einverständnis ihres Mannes brauchte, um den Führerschein zu machen. Sie konnten es kaum glauben, dass eine Ehefrau noch bis 1977 gesetzlich dazu verpflichtet war, den Haushalt zu führen und ohne Einverständnis des Ehemanns keinen Beruf ausüben durfte. Erschütternd war die Information, dass eine Vergewaltigung in der Ehe erst seit 1997 eine Straftat ist. Dass 2003 die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft Weltmeister wurde, nahmen die oberroninger Mädels mit Genugtuung auf. Doch auch, wenn in den letzten 70 Jahren viel geschehen ist, sei man in Deutschland von einer vollkommenen Gleichberechtigung von Mann und Frau noch weit entfernt, so Müller. Viele junge Menschen wünschen sich zwar heutzutage eine gleichberechtigte Partnerschaft, aber  es gibt immer noch viele Hürden zu überwinden. Erziehungsurlaub, Teilzeitbeschäftigung, Rollenbild von Mann und Frau und finanzielle Unterschiede bei Löhnen und Renten von Frauen und Männern machen deutlich, dass Frauen nach wie vor benachteiligt seien. Ruth Müller betonte, dass man mehr Frauen brauche, die bereit sind, sich politisch zu engagieren, damit sich in der Politik schneller etwas ändere. Der Anteil der Frauen im Deutschen Bundestag stieg zwar immerhin von anfänglich 6,8 Prozent auf bereits 36,5 Prozent, leider sind es aber seit 2018 wieder nur noch 31 Prozent. Ein Rückschritt, der auch im Bayerischen Landtag sichtbar ist. Nur 55 von 205 Abgeordneten sind Frauen. Die frauenpolitische Sprecherin der bayerischen SPD-Landtagsfraktion betonte, dass die SPD immer vorne dabei sei, wenn es um große Errungenschaften für die Frauen gehe: 100 Jahre Frauenwahlrecht verdanke man dem Sozialdemokraten Kurt Eisner. 2018 wurde in der SPD 30 Jahre Frauenquote gefeiert. Ruth Müller appellierte: „100 Jahre Frauenwahlrecht sind ein Jubiläum zum Feiern, aber für ein weiblicheres Bayern muss man noch viel unternehmen“. Die SPD-Politikerin schloss ihre Rede mit einem Zitat der italienischen Schauspielerin Eleonore Duse: „Ohne Frauen geht es nicht, das hat sogar Gott eingesehen“.

Anschließend durften die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen. Zum Thema ‚Frauenquote‘ war interessant, dass einige Schülerinnen der Meinung sind, dass man aufgrund seiner Qualifikationen eingestellt werden sollte und nicht aufgrund seines Geschlechts.

Tanja Tajsich