Der Weg zur deutschen Einheit - Ausstellung an der Realschule Oberroning

„Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist“ mit diesen berühmten bewegenden Worten von Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft eröffnete die Schulleiterin der Realschule Oberroning Frau Anna-Maria Müller die Ausstellung „Der Weg zur deutschen Einheit“.  Anschließend ging Frau Müller aber auch auf die Zeit vorher ein. Sie erwähnte die Schikanen, die man bei Fahrten durch die DDR bereits bei den Grenzkontrollen, sowie auch während der Fahrt durch die DDR ertragen musste. Sie erzählte von zahlreichen Fluchtversuchen ( mit Ballon, durch Verstecke in Hohlräumen von Fahrzeugen, usw.), die letztendlich vielen Menschen das Leben kosteten. Dieser feierlichen Eröffnung wohnten Frau Blüml und Frau Zwingenberger vom Elternbeirat sowie die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse bei. Außerdem gab die SPD-Politikerin Ruth Müller (MdL) der Realschule die Ehre, die Eröffnung zu begleiten.

Die Ausstellung des Auswärtigen Amts und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wurde anlässlich der Feierlichkeiten am 9. November von den beiden Lehrerinnen Frau Annamarie Benedikt und Frau Christiane Rössler aufgebaut. Außerdem wurden die geladenen Gäste von den beiden Lehrerinnen mit typischen ostdeutschen Spezialitäten verköstigt. Die Ausstellung zeichnet den Weg zur Deutschen Einheit von der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 auf. Ergänzt wurde die Bilderausstellung durch verschiedene typische Objekte der damaligen DDR. So kann man verschiedene Lebensmittel, Spielsachen, eine Weihnachtspyramide und geklöppelte Deckchen betrachten. Die Ausstellung wird eine Woche lang an der Realschule Oberroning aufgebaut sein. Somit haben alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, sie zu betrachten und sich eingehend über dieses einschneidende Ereignis der deutschen Geschichte zu informieren.

Nach den einleitenden und bewegenden Worten der Schulleitung wurde in selbst erstellten Filmsequenzen der Verlauf des friedlichen Protestes von August 1989 bis zum Jubel der Deutschen Wiedervereinigung gezeigt. Diese bewegenden Bilder, ergreifenden Reden und Eindrücke riefen bei den anwesenden Erwachsenen unterschiedlichste Erinnerungen wach. Bei den Zehntklässlern erzeugten sie teilweise Bestürzung, jedoch konnten sie auch die Freude und die Bedeutung des lang ersehnten Momentes der Wiedervereinigung nachempfinden.

Anschließend begann die Landtagsabgeordnete Frau Ruth Müller ihren Vortrag damit, dass sie immer noch Gänsehaut bekomme, wenn sie die Bilder des Mauerfalls betrachte. Müller gab danach einen kurzen Abriss über die Geschichte der Teilung. Sie berichtete den aufmerksam Zuhörern von der Teilung in Besatzungszonen und vom Beginn des Mauerbaus 1961. Sie erwähnte und erklärte  auch kurz den Begriff ‚Eisener Vorhang‘. Außerdem  machte sie den Jugendlichen klar, dass sich die Menschen im Osten eingeengt fühlten und die Menschen im Westen den Osten nur bereisten, um ihre Verwandten zu besuchen, nicht etwa um dort Urlaub zu machen. Die Menschen der DDR konnten nur mit Ausnahmegenehmigungen z. B. zu Familienfesten in den Westen reisen. Einzige Ausnahme war Ungarn, wo dann auch das ‚erste Loch‘ in die Mauer geschlagen wurde. Hier knüpfte MdL Müller an ein persönliches Erlebnis an. Sie machte im Sommer 1989 - mit 22 Jahren - zusammen mit einer Freundin eine Radtour durch Osteuropa und wunderte sich, dass sie bei Übernachtungen auf Campingplätzen DDR Bürgern, die Unmengen an Hausrat,  Betten, usw. dabei hatten, begegneten. Die beiden jungen Frau hatten zur Zeit der Urlaubsreise weder Zeitung gelesen, noch hatten sie ein Handy bei sich ( ein solches gab es damals noch nicht )  und somit über die weltbewegenden Ereignisse nichts erfahren. Erst auf der Rückreise, die per Zug erfolgte, erfuhren sie durch Zeitung, durch die vielen DDR Bürger, die sich in den Abteilen befanden und durch Soldaten, die sie durchsuchten und kontrollierten von dem, was zu dieser Zeit in Deutschland vorging.

Dies war für die Landtagsabgeordnete der Beginn ihres politischen Interesses und Beginn ihrer Aktivitäten.

Anschließend berichtete sie noch kurz über negative Gefühle sowohl der Ost- als auch der Westdeutschen, die trotz der freudigen Ereignisse aufflammten: Der rasche Wandel erzeugte bei den ehemaligen DDR Bürgern auch ein Verlustempfinden. Sie mussten nun auf viele gewohnte Produkte, aber auch Gewohnheiten verzichten (z. B. bestimmte Nahrungsmittel). Die Folge davon waren Unzufriedenheit und Misstrauen.

Genauso traf die Wiedervereinigung auch jeden einzelnen Bundesbürger, da 1991 eine eigens eingeführte Steuer - der Solidaritätszuschlag (SOLI) - den Wiederaufbau des deutschen Ostens finanzieren sollte.

Abschließend bedankte sich die Schulleitung herzlich bei Ruth Müller und schloss die Eröffnungsveranstaltung mit der persönlichen Schilderung ihres beklemmenden Gefühls, das in ihr bei einem Besuch des Todesstreifens entlang der Grenze aufkam. Andererseits sei sie jedoch stolz und dankbar, dass sie diese Zeit, insbesondere aber die Wiedervereinigung miterleben konnten.

Tanja Tajsich